Für Erwachsene

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FÜR ERWACHSENE

Trauernden Kindern helfen

Kinder brauchen Zeit und Raum ihren ganz persönlichen Trauerweg zu entdecken sowie ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken zu können. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch.
Erwachsene sind Kindern immer auch Vorbild, wenn es darum geht, Lösungsstrategien im Umgang mit Krisen zu entwickeln.

Mädchen und Jungen, die Verlust durch Tod erleben, brauchen jemanden an ihrer Seite. Jemanden, der sich Zeit für sie nimmt, sie ernst nimmt, zuhört, und ihre Fragen und Gedanken aushält.
Manche Erwachsene vermeiden im Gespräch mit einem trauernden Kind das Thema. Sie haben Angst das Falsche zu sagen oder zu tun. Sie hoffen, dass die Mädchen und Jungen sich schon an sie wenden werden, wenn sie sie brauchen. Jedoch sind die wenigsten Kinder in der Lage, ihre Bedürfnisse klar zu äußern und Hilfe einzufordern. Darum sollten Erwachsene sich trauen, das Thema Tod mit Kindern direkt anzusprechen. Sie sollten ihnen signalisieren, dass sie bereit sind, sich dem Thema zu stellen und dass sie offen für die Fragen, Gedanken und Bedürfnisse der trauernden Kinder sind.

So können Erwachsene trauernde Kinder unterstützen:

  • Trauernde Kinder ermutigen, den Tod zu erforschen.
  • Trauernden Kindern die Angst nehmen, indem sie bei ihnen bleiben, auch wenn es schwierig wird.
  • Trauernden Kindern die Wahrheit sagen. Erwachsene sollten Fragen offen und ehrlich beantworten. Vor allem jüngere Kinder verarbeiten ihre Gefühle, indem sie immer wieder fragen.
  • Trauernden Kindern mit Respekt und Verständnis begegnen.
  • Trauernden Kindern den Tod mit einfachen Worten erklären und konkret sein.
    Sie sollten sich nicht in Details verlieren oder Umschreibungen wie „Sie ist eingeschlafen“ verwenden, da diese die Kinder nur verwirren.
  • Gegenüber trauernden Kindern eigene Gefühle ausdrücken, um ihnen zu signalisieren, dass es in Ordnung ist, sie zu zeigen.
  • Trauernden Kindern Wege aufzeigen, Aggressionen auszudrücken, ohne andere zu verletzen.
  • Trauernde Kinder, wenn sie es wollen, bei der Gestaltung des Abschieds einbeziehen.
    Sie sollten gemeinsam mit ihnen individuelle und altersgerechte Rituale finden und entwickeln. Nur so wird der Abschied für Kinder erlebbar.
  • Die Vorstellungen und Wünsche von trauernden Kindern ernst nehmen.
  • Trauernde Kinder aufmerksam begleiten und darin unterstützen, ihren Weg zu finden und zu gehen.
  • Trauernden Kindern Zeit lassen und sie nicht ausfragen.
  • Kindern Struktur und Alltag geben. So können Ängste abgebaut werden beziehungsweise sie entstehen erst gar nicht.
Gemeinschaft

Hier erleben sie sich als Teil einer Gemeinschaft. Sie können voneinander lernen und sich gegenseitig untersützen. In einer Trauergruppe machen betroffene Kinder die Erfahrung, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind, dass es Andere gibt, die Ähnliches erlebt haben wie sie. Die Kinder erleben innerhalb der Gruppe auch ein Stück Normalität in einer Lebenssituation, die in der Regel geprägt ist von Veränderung und Krise.

Rituale

Rituale sind einfache Mittel, die helfen, Geschehnisse in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Rituale markieren Übergänge, Umbrüche und neue Lebensabschnitte.
Sie unterstützen Kinder darin, abstrakte Gedanken und Gefühle in einer symbolischen Handlung zum Ausdruck zu bringen und zu begreifen. Außerdem helfen sie, die Geschehnisse in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
Gerade in der Begleitung und Unterstützung trauernder Menschen sind Rituale ein hilfreiches „Instrument“, um die durch den Verlust erlebten Umbrüche, Veränderungen, aber auch den Neuanfang, das Weiterleben zu markieren und fassbar zu machen.
Rituale helfen trauernden Kindern, dem abstrakten Thema Tod eine symbolische Form und ihren Gefühlen Ausdruck zu geben.
Es ist wichtig, mit trauernden Kindern eigene und für sie passende Rituale zu entwickeln und auszuprobieren. Hier sind es oft ganz einfache und kleine rituelle Handlungen,
die entscheidend dazu beitragen können, Kindern Halt und Orientierung und dem Abschieds- oder Trauerprozess eine Form zu geben.

Kontrolle

In der Regel erfahren Kinder durch den Tod eines nahestehenden Menschen einen massiven Kontrollverlust: Sie erleben sich und ihre Familie als hilflos und ohnmächtig dem Geschehen ausgeliefert. Oft führt das dazu, dass trauernde Kinder dieses Gefühl der Ohnmacht auch auf andere Lebensbereiche übertragen.
Hier kann es helfen, wenn Sie den Kindern ein Stück Kontrolle zurückgeben, indem Sie die Kinder einbeziehen und ihnen kleine Aufgaben zuteilen – zum Beispiel am Kranken- oder Sterbebett, oder bei Beerdigung und Trauerfeier.
Den Kindern die Wahl lassen, was in bestimmten Situationen das Passende für sie ist.

Typische Reaktion

Während trauernde Erwachsene vielfach über einen längeren Zeitraum traurig sind, lassen Kinder ihre unterschiedlichen Gefühle nebeneinander stehen. Genauso spontan, wie sie sich in ihre Trauer hineinbegeben, können sie im nächsten Moment auch wieder fröhlich sein und lachen. Dieser abrupte Wechsel verwirrt Erwachsene manchmal.
Die meisten Erwachsenen haben eine Vorstellung davon, wie Trauer aussehen sollte. Gesellschaftliche Annahmen darüber, wie Trauer erlebt und emotional erfahren wird, welche Verhaltensweisen und Reaktionen nach einem Todesfall zu erwarten sind und dem Ereignis angemessen scheinen, stehen meistens in großer Diskrepanz zu dem tatsächlichen Erleben der Betroffenen.
So sind Eltern besorgt, wenn sich ihr Sohn oder ihre Tochter anders oder in ihren Augen ungewöhnlich verhält. Sie sind über die Reaktionen des Kindes verunsichert.
Doch Kinder fassen ihre Trauer nicht unbedingt in Worte oder zeigen sie durch Weinen.
Sie nutzen andere Ausdrucksmöglichkeiten wie Spielen, Toben, Schreien oder Malen. Manche Mädchen und Jungen ziehen sich auch zurück. So kann der Eindruck entstehen, als trauerten sie gar nicht.

Mögliche Reaktionen und Verhaltensweisen:

  • Die wichtigste Ausdrucksform für Kinder ist ihr Verhalten.
  • Kinder orientieren sich in ihrem Verhalten viel weniger als Erwachsene an gesellschaftlichen Normen.
  • Kinder zeigen ihre Trauergefühle auf unterschiedliche Weise: Sie können in sich gekehrt, ärgerlich, aggressiv oder traurig sein.
  • Kinder drücken ihre Gefühle und Gedanken im Spielen und in anderen Aktivitäten aus.
  • Kinder springen in ihre Trauergefühle unvermittelt hinein und wieder aus ihnen heraus. So entziehen sie sich einer Situation, die sie überwältigt oder für sie zu anstrengend wird.
  • Kinder weinen nicht unbedingt, wenn sie trauern.
  • Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder zunächst den Tod verleugnen.
  • Viele Kinder scheinen nicht betroffen zu sein. Sie halten an den Abläufen ihres Alltags fest. Das gibt ihnen Sicherheit.
  • Kinder verstecken ihre Gefühle häufig vor den Erwachsenen – oft um die Eltern
    zu schützen.

Neue Service-Telefonnummer: 07274 – 70 54 424
Hilfe für akute Trauerlebenssituationen rund um die Trauer

z.Bsp.:

  • wie verhalte ich mich meinem Kind gegenüber
  • wie beziehe ich das Kind ein
  • darf das Kind bei den Vorbereitungen zur Berdigung mitgestalten und wie und viele offenen Fragen mehr.

 

Offene begleitende Kindergruppen:

1. Gruppe:
jeden 1. und 3. Dienstag im Monat
2. Gruppe:
jeden 3. und 4. Dienstag im Monat
jeweils von 16.30 bis 18.30 Uhr

Für betroffene
Eltern:

bieten wir bei Bedarf jeweils am
1. Freitag im Monat
von 19.30 – 21.00 Uhr
einen begleiteten Austausch an.

madeleine-prenzlau@web.de
Kinderschutzbund Germersheim
Waldstraße 5
Mo. –  Fr. von 9.00 – 12.00 Uhr
Tel.: 07274 – 88 47

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